Krefeld. Die höchste Erhebung der Seidenstadt liegt – in Österreich. Genauer: Oberhalb des Kapruner Tals. Dort, auf 2295 Metern Höhe, steht seit 100 Jahren die Krefelder Hütte. Nach Plänen der Architekten Sehrig in Innsbruck und Jaendges in Krefeld wurde 1907 am Ende des Kitzsteinhorns im Salzburger Land mit dem Hausbau der Sektion Krefeld im Deutschen Alpenverein begonnen. Mit einer Festveranstaltung am 4. August feiern die Krefelder den Geburtstag ihres Bergheims.
„In der vergangenen Woche hatten wir noch 45 Zentimeter Neuschnee. Es ist aber schon wieder alles abgetaut“, schildert Hüttenwart Heinz Braun. Seit Dienstag sind einige Gruppen unterwegs, die in Sternwanderungen zur Hütte laufen. „Alle kommen zum 3. August auf die Hütte hoch.“ Denn am 4. August wird dort groß gefeiert. Nach einem Gottesdienst gibt es Ansprachen – leider ohne offizielle Krefelder Beteiligung – anschließend ein Essen. Die Gäste kommen aus Kaprun, wie der Bürgermeister der Gemeinde, Handwerker und Wegegeher, die die Strecken in Ordnung halten. Abends werden die Krefelder mit Musik alleine in ihrem Haus sein. Um 22.30 Uhr ist ein Feuerwerk geplant.
Die im Jahr 1894 gegründete Sektion Krefeld erwarb schon in den „Jugendjahren“ in den Alpen bei Kaprun ein Grundstück, auf dem sie ab 1907 eine Hütte erbauen ließ. Rund 200 Mitglieder zählte der Verein damals, heute sind es übrigens rund 1500. Es wurde ein kräftiges, geräumiges Haus aus Naturstein und Holz mit einem Walmdach. Der Betrieb wurde im Juni 1909 aufgenommen.
In den vergangenen Jahren wurde viel Geld in die Sicherheit und Modernisierung der Hütte investiert. Unter anderem wurde mit großem Aufwand die Abwasserfrage der Hütte gelöst, indem eine 167 Meter tiefe Kernbohrung, den Anschluss an das öffentliche Kanalnetz brachte. Der Brandschutz wurde überarbeitet, und übergroße Schlaflager wurden in gemütliche Zimmer umgebaut. Die Hütte hat derzeit 32 Betten in Zwei- oder Vier-Bett-Zimmern und 24 Schlaflager. Seit 30 Jahren ist Heidi Rattensberger die Pächterin. „Das ist schon eine Ausnahme“, betont Braun.
Wer als Bergwanderer zur Hütte hoch steigt, dem bieten sich viele schöne Aussichten. Von der beherrschenden Lage der Hütte auf einem lawinen- und steinschlagsicheren Bergvorsprung, dem Rosskopf, kann der Bergwanderer im Norden den „Wilden Kaiser“ erblicken. Ersteigen Wanderer den Hausberg der Hütte, das 3204 Meter hohe Kitzsteinhorn, sehen sie den Großglockner, im Südwesten erhebt sich der Großvenediger.
Krefelder Hütte über dem Kapruner Tal:
| Die Krefelder Hütte in den Hohen Tauern liegt auf 2295 Metern Höhe oberhalb der Kapruner Tals. Fotos: DAV Sektion Krefeld |
Der Bau der Krefelder Hütte kostete vor 100 Jahren rund 55 000 Mark. Das Geld wurde von damaligen Alpenvereinsmitgliedern aufgebracht.
Seit 1966 führt eine Seilbahn von der Gemeinde Kaprun auf eine Höhe von 3029 Metern. Der Aufstieg zu Fuß aus dem Tal dauert ungefähr vier Stunden.




