Krefeld. Die Spenden-Dose mit Ein-Liter-Volumen, die der Kreisvorsitzende Axel Heimendahl aufgestellt hatte, dürfte dafür zu klein sein: Mindestens 30000 Euro braucht der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), wenn er gegen das Kohlekraftwerk am Uerdinger Rhein klagen will, sobald eine Genehmigung vorliegt.
Gemeinsam mit anderen Umweltverbänden und den Krefelder Grünen will der BUND das Kraftwerk aber schon im Vorfeld verhindern. Die rund 70 Zuhörer bei der Veranstaltung „Nein zum Kohlekraftwerk“ in der Fabrik Heeder rief der Landesgeschäftsführer des BUND, Dirk Jansen aus Düsseldorf, zum konzertierten Handeln vor allem in der Zeit der öffentlichen Auslegung auf.
Auf die Straße gehen wollen die Umwelt-Aktivisten am 6. Juni bei einer Demonstration in Uerdingen, die mittags vor dem Rathaus beginnt. Schon am Donnerstag, 2. April, wollen sie beim Stadtrat demonstrieren. Grünen-Ratsherr Rolf Rundmund: „Wenn der Oberbürgermeister um Ruhe bittet, müssen Sie das nicht ganz so ernst nehmen.“
Rundmund bewertete die notariellen Erklärungen der künftigen Betreiber Trianel und Currenta als schwammig: „Vor allem sind keine Sanktionen vorgesehen. Wenn sich Currenta nicht daran hält, hat das keinerlei finanzielle Folgen.“ Er nannte als Alternative ein Gas-Kraftwerk.
Jansen und Angelika Horster sowie die Duisburger BUND-Vize Kerstin Ciesla lieferten Daten klima- und gesundheitsschädlicher Folgen eines Kohlekraftwerks. Zur derzeitigen Krefelder Belastung mit Kohlendioxyd von 3,2 Millionen Tonnen pro Jahr kämen 4,4 Millionen hinzu.
Die Duisburgerin bedauerte, dass es für Krefeld anders als für das Ruhrgebiet keinen Luftreinhalteplan gebe: „Die Luft kennt keine Stadtgrenzen.“ Sie stellte vor allem den Feinstaub heraus, der für eine nicht zuzuordnende ständige Hintergrundbelastung sorge. Ihr Appell: „Es reicht!“
Horster gab einen nicht mehr ganz aktuellen Bericht über die hohe Krefelder Dichte an genehmigungspflichtigen Anlagen und bezweifelte den Bedarf eines 750-Megawatt-Kraftwerks.
Ulrich Grubert vom Niederrheinischen Umweltschutz-Verband (NUV) sagte seine Unterstützung für die Aktionen zu: Faltblätter verteilen, Newsletter versenden, Mustereinwendungen ins Netz stellen: „Mit einer einfachen Unterschrift kann jeder zum Einwender werden.“
Jansen wies darauf hin, dass der BUND noch nicht lange klageberechtigt ist, aber bereits gerichtliche Schritte gegen Anlagen in Datteln, Herne und Lünen teils erfolgreich beschritten hat: „Auch Bielefeld und Köln-Niehl haben wir verhindert.“ In Düsseldorf habe der Stadtrat ein Kraftwerk mit Kohle abgelehnt. Das Verfahren dränge auf Engagement: „Bei einer Klage können wir nur ins Feld führen, was wir schon im Genehmigungsverfahren erwähnt haben.“




